Schüleraustausch Wörth - Tarnow: Urlaub bei Freunden

Das polnische Programm hat uns alle wieder sehr begeistert und Monica Kocol hat in ihrer Funktion als Deutschlehrerin im III. Liceum den Austausch wie immer perfekt organisiert. Nach der Ankunft in Tarnow und der Überreichung der ersten Gastgeschenke (Tarnow-T-Shirt und Tasse) wurden die Mädchen und Jungen erst einmal ihren Austauschschülern zugeteilt. Die spannendste Phase des Austausches: Wer kommt zu wem? Und versteht man sich untereinander? Aber das alles war wieder einmal überhaupt kein Problem, wie sich schon am nächsten Morgen herausstellte. Alle Vorbehalte lösten sich ganz schnell in Rauch auf, trotz diverser Sprachbarrieren. Vorwiegend in Englisch verständigten sich die Schüler miteinander, ein paar Brocken Deutsch streute man dazwischen und der Rest erledigten Hände und Füße.

Am 2. Tag des Aufenthalts fand eine kleine Begrüßungsfeier im Liceum statt. Herr Ryba, der Direktor der Schule, begrüßte die beiden Schülergruppen. Die Jugendlichen stellten im Plenum die Hobbys und Interessen des Austauschpartners vor. Erstaunt stellte man fest, dass das Lieblingshaustier sowohl von deutschen als auch von polnischen Schülern wohl das Meerschweinchen ist.  Im Anschluss erhielten wir eine kompetente Führung durch die geschichtsträchtige Stadt im Süden Polens.  Die ersten im Konzentrationslager Auschwitz 728 inhaftierten Häftlinge wurden in einem Wagon aus Tarnow gebracht. Ein Gedenkstein erinnert an diese Tragödie. Einige Kulturdenkmäler und Synagogen zeugen noch heute von der jüdischen Epoche der Stadt.

3. Tag – Krakau. Wahrlich eine der schönsten Städte Europas. Das Wetter noch dazu traumhaft. 31 Grad, wolkenloser tiefblauer Himmel. Der Wawel, die ehemalige Residenz der polnischen Könige und Nationalheiligtum aller Polen, erstrahlte in der Herbstsonne im goldenen Glanz. Davor wurde stets das erste offizielle Gruppenfoto gemacht. Diesmal ein ganz besonders Schönes. Eine gebuchte Stadtführerin zeigte uns in mehreren Stunden die die gesamte Geschichte und Kultur der Millionenmetropole – so kam es uns zumindest allen vor. Wir bissen aber die Zähne zusammen und hielten lächelnd durch bis zum Schluss. In einer Synagoge im jüdischen Viertel der Metropole trugen alle Jungen die „Kippa“ zur Schau. Dort wurden auch Teile von Spielbergs berühmtesten Film, „Schindlers Liste“, gedreht. Nachmittags bekamen alle Schüler noch etwas Zeit, die Stadt ein wenig auf eigene Faust zu erkunden. Shopping war nun angesagt.

4. Tag: Besuch des Museum KZ Auschwitz. Mit einem Reisebus fuhren wir früh morgens von Tarnow nach  Oświęcim – besser bekannt unter Auschwitz – ins größte deutsche Vernichtungslager in der Zeit des Nationalsozialismus. Etwa 1,1 Millionen Menschen wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet, davon 1 Million jüdischen Glaubens. An der Todeswand im Stammlager, zwischen Block 10 und Block 11, legte für die gesamte Schülergruppe Noah aus der 10 d einen Kranz nieder. Sechs Familienmitglieder von Noah sind in Auschwitz ermordet worden. In Auschwitz-Birkenau zündete er dann noch an den Ruinen der ehemaligen Krematorien sechs Kerzen an - für jeden Verwandten eine. In der untergehenden Abendsonne betete er auf Hebräisch. Ein emotional sehr bewegender Moment des Austausches. Heute leben wir in Europa Gott sein Dank in Frieden. Ein Jude, ein Pole, ein Araber, Deutsche – alles „Freunde“ – alle in einer Klassenstufe, alle schockiert und trauernd in Auschwitz-Birkenau 2015. Wer hätte das 1945 gedacht?

Wochenende: Die Schülerinnen und Schüler verbringen traditionell das Wochenende in den Familien. Planung der Freizeitaktivitäten obliegt den polnischen Familien. Einige waren in dem größten Salzbergwerk Polens, machten eine Wanderung in der Nähe von Tarnow oder feierten gemeinsam ein Fest.

7. Tag: An diesem Tag wartete ein wunderschönes Naturerlebnis auf uns. Die Fahrt mit einem Floß auf dem Dunajec-Durchbruch im Pieniny- Gebirge. Danach noch eine kurze Wanderung in der Homole-Schlucht. Natur pur! Ohne PC und Smartphone – mit viel Spaß! Kaum zu glauben! Leider erlitt Anna-Maria aus der 10 c beim Aussteigen aus dem Bus eine sehr schmerzhafte Bänderdehnung. Die polnische Partnerschülerin trug sie dementsprechend Huckepack über Stock und Stein – so sieht gelebte europäische Solidarität aus! Am Abend fuhren aber dann Frau Kocol und Herr Borm mit Maria ins Krankenhaus. Mit einem Gips kamen sie dann etwas verspätet zur Abschiedsparty in der Schule. Leckeres Essen und Karaoke waren schon im vollen Gange. Auch am Mikrophon spürte man die Eintracht der Gruppe, die „atemlos“ zusammen deutsches, englisches und polnisches Liedgut trällerte. Der stellvertretende polnische Schulleiter, Tadeuz Labno, und die Lehrer Andreas Borm und Alexander Schnur haben abschließend in Abschiedsreden noch einmal die besondere Verbindung zwischen Tarnow und Wörth herausgestellt. Alexander Schnur dankte nochmals ausdrücklich „Mrs. Pefect“, Monika Kocol, für die herausragende Organisationsarbeit und verwies darauf, dass wir nicht nur einfach eine polnische Schülergruppe im Sommer bei uns erwarten, sondern Freunde. Zum Abschluss brachten alle mit lautem Lachen und Klatschen die Aula der Schule nochmal richtig zum Beben. In einem Interview mit einem Redakteur der regionalen Presse äußerten sich die beteiligten Schülerinnen und Schüler durchweg positiv über den Austausch. Janina Roschke aus der 10 d brachte es auf den Punkt: „Anfangs im Flieger und Reisebus hatte ich ganz schön Panik. Panik, was da wohl alles auf mich zukommt. Panik, ob die mich überhaupt verstehen. Aber dann fand ich den ganzen Aufenthalt nur noch super!" Eveline Schmidt ergänzte: „Alles war genial. Toll, dass die Schule so etwas anbietet.“